Welche Digitale Zukunft hat Schleswig-Holstein?

Autor: Dirk Nowotka

Die Entwicklung einer modernen Gesellschaft ist geprägt von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Welche Impulse sollten das Land Schleswig-Holstein, seine Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer, zur Gestaltung seiner „digitalen Zukunft“ setzen? Hier sind drei Vorschläge, zusammengefasst unter den drei Stichworten Menschen, Energie und Daten.

MENSCHEN

Künstliche Intelligenz und digitale Technologien stellen die Gesellschaft vor einen tiefgreifenden Wandel. Unsicherheiten, Ängste vor dem Neuen und falsche Versprechungen bereiten den Boden für missbräuchlichen Umgang und populistische Bewegungen. Ein selbstbewusster und kenntnisgeprägter gesellschaftlicher Diskurs ist notwendig, wenn wir uns diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen stellen wollen. Dieser Diskurs kann aber nur sinnvoll geführt werden, wenn eine Allgemeinbildung für die digitale Welt in der Schule allen Menschen Schleswig-Holsteins vermittelt wird. Der erste Vorschlag lautet daher

Einführung des Pflichtfachs Informatik in der Sekundarstufe I.

Es gibt bereits hinreichende Fachanforderungen für einen modernen Informatikunterricht. Die notwendige Anzahl der Lehrkräfte kann kurzfristig durch Weiterbildungen und mittelfristig aus einem bereits bestehenden Studiengang an unserem Institut gewonnen werden. Es ist sicherlich schwierig, ein neues Pflichtfach an Schulen zu etablieren. Dafür müssen Kapazitäten geschaffen und Zeit im Stundenplan bereitgestellt werden. Allerdings steht außer Frage, dass Informatik eine so grundlegende gesellschaftliche Bedeutung erlangt hat wie Physik, Biologie, Chemie und andere Fächer.

ENERGIE

Schleswig-Holstein ist ein Vorreiter auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und sieht sich als „Energiedrehscheibe“ des Nordens. Diese Position bietet in einer digitalen Welt die besten Voraussetzungen für eine intelligente Wertschöpfung. Statt des aufwendigen Exports elektrischer Energie, können mit grüner Energie Daten vor Ort verarbeitet werden und einen hohen Mehrwert generieren. Eine solche „Energieveredelung“ benötigt Fachkräfte und Rechenkapazitäten in Schleswig-Holstein. Der zweite Vorschlag lautet daher

Bau eines Hochleistungsdatenzentrums für die Forschung in Schleswig-Holstein.

Damit wird die Ausbildung von Expertinnen und Experten für die Verarbeitung großer Datenmengen in Norddeutschland deutlich gestärkt. KMUs und wissenschaftliche Institutionen in Schleswig-Holstein haben vor Ort einen Zugang zur Expertise und entsprechenden Rechenkapazitäten. Schleswig-Holstein ist zwar Mitglied des Norddeutschen Verbunds für Hoch- und Höchstleistungs­rech­nen (HLRN) mit seinen Standorten in Berlin und Göttingen, kann damit aber nur in begrenztem Maße eine eigene Expertise entwickeln. Ein Hochleistungsdatenzentrum mit einem Fokus auf Data Science und Künstliche Intelligenz für Wissenschaft und die Wirtschaft in Schleswig-Holstein ermöglicht Forschung, Entwicklung und Wissenstransfer auf innovativen, datengetriebenen Anwendungsfeldern außerhalb des traditionellen Hochleistungsrechnens.

DATEN

Die digitale Welt ist datengetrieben. Daten sind eine Ressource, welche in Schleswig-Holstein zwar erzeugt, aber nur wenig verwertet wird. Diese Innovationslücke kann nur durch die Schaffung von universitären Forschungskapazitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz geschlossen werden. Der dritte Vorschlag lautet daher

Gründung eines Instituts für Künstliche Intelligenz und Datenwissenschaft (Data Science).

Der Aufbau moderner Forschungsinstitutionen korreliert mit der Ansiedlung moderner Technologieunternehmen. Ein solches Institut stärkt einerseits eine notwendige Grundlage für Spitzenforschung in Schleswig-Holstein, zum Beispiel in den Lebenswissenschaften und der Ozeanforschung, und bietet andererseits eine hochkarätige Anlaufstelle für lokale Unternehmen, um Zugnag zu neuen Technologien zu erhalten. Es ermöglicht die Ausbildung von Fachkräften und sorgt für den notwendigen Technologietransfer in einer datengetriebenen Wirtschaft.

Das sind drei konkrete Vorschläge für die Gestaltung der „digitalen Zukunft“ in Schleswig-Holstein. Natürlich kosten solche Vorhaben Geld. Wie viel Geld sind uns diese Maßnahmen wert? Wie sollten sie priorisiert werden? Welche anderen/besseren Vorschläge können gemacht werden?

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Welches Vorhaben ist für Schleswig-Holsteins digitale Zukunft das Wichtigste?

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Der Autor, Dirk Nowotka, ist Professor für Informatik; er bekleidet die Professur „Zuverlässige Systeme“ am Institut für Informatik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

3 Gedanken zu „Welche Digitale Zukunft hat Schleswig-Holstein?

  1. An sich ist Pflichtinformatikunterricht in Schulen keine schlechte Idee. Die Frage dabei ist aber: „Was sollen die Schüler konkret lernen?“. Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn jedem Schüler die Programmierung beizubringen. Was widerum Sinn macht ist die Schüler in anderen Bereichen zu Schulen. Ich denke dabei an Umgang mit Office, Umgang mit Suchmaschinen, also wie finde ich das was ich suche, Datenschutz im Internet und Wahrung der Privatsphäre. Das sind alley Bereiche die so gut wie jeden betreffen. Natürlich macht es auch Sinn Schülern die Programmierung näher zu bringen und die anderen technischen Bereiche der Informatik, aber niemals als Pflichtfach. Das ist zu speziell. Wenn dann nur als optionales Fach.

    1. Zum Blog selbst: Ich finde das eine gute Idee!

      Ich hoffe, dass damit ein Bild von Informatik vermittelt werden kann,
      das neugierig macht, informiert, zum reflektieren einlädt, und dazu
      ermuntert, selbst an Gesellschaft und deren Weichen in die Zukunft
      mitzuwirken. Informatik kommt leider immer sehr trocken rüber, obwohl
      sie beachtliche Einflüsse auf den Alltag genommen hat und auch sehr
      praktisch und anschaulich sein kann. Insgesamt gibt es an Unis viele
      gute Gedanken. Das gilt natürlich nicht nur für Profs sondern auch für Studenten! Leider sind die Menschen nicht immer in der Lage, Ihre guten Gedanken nach außen zu transportieren. Ich wünsche mir, dass dieser Blog das
      leisten kann.

      Ich bin gespannt, was sich daraus ergibt und freue mich auf interessante Artikel.

      Viel Erfolg!

    2. Sollten in einer Welt in der mehr und mehr Prozesse programmiert sind, nicht alle Schülerinnen und Schüler zumindest in Grundzügen einen Einblick in diese Welt bekommen?

      Ist das nicht genauso relevant wie das Wissen darüber, warum der Apfel vom Baum fällt, warum sich Wasser beim Zugeben von Säure erwärmt, wie eine Dur-Tonleiter aufgebaut ist, wie man ein bestimmtes Integral berechent, wie man Handball spielt?

      Woher soll man wissen, ob man sich in diesem Bereich vertiefen möchte, wenn man nie Kontakt dazu hatte?

      Ist alles was man in Mathematik lernt unmittelbar relevant, oder geht es dabei mehr um eine Art zu denken? Auch Programmieren fördert eine bestimmte, strukturierte Herangehensweise an Probleme.

      Kann man Datenschutz, Data Mining, Privatsphäre etc. wirklich verstehen ohne in die Tiefe der automatisierten Datenverarbeitung hinabzusteigen? Wir möchten ja nicht nur auswendig gelerntes Benutzerwissen erreichen, sondern kompetenten Umgang mit Technologien die es heute vielleicht noch gar nicht gibt.

      Die Idee, dass Informatik und Programmieren „zu speziell“ sind, rührt vielleicht auch nur daher, dass man damit nicht in Kontakt gekommen ist. Aber der Status Quo der Allgemeinbildung ist ständig im Fluss und muss sich der Welt anpassen, auf die sie vorbereiten soll.

      In der digitalen Welt ist Informatik und Programmieren allgemeinbildend und muss verpflichtend sein. Die Frage ab wann und in welcher Tiefe ist dann eine Andere…

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